Wer von der traditionellen Bretagne
spricht, kommt nicht umhin, an die Hülle und Fülle der einheimischen
Produkte zu denken, die nur noch durch die Vielfalt ihrer Zubereitungsmöglichkeiten
übertroffen wird. Kulinarisch betrachtet bietet die Bretagne
eine einfache, üppige und erlesene Entdeckungsreise, die vom
jodhaltigen Universum der Meeresfrüchte bis hin zu den süßen
Gefilden aus Cidre und Feingebäck reicht. Führung über
den Markt.
Gesalzene
Butter
Denn die gesalzene Butter, aus frischer Rohmilch geschlagen, gewaschen
und geformt, ist seit dem Mittelalter unumgängliche Beilage
aller bretonischen Spezialitäten. Als Zeichen der Gastfreundschaft
und des Respekts stand sie gut sichtbar für jeden Besucher
auf dem Tisch. Heute stammen 30 % der in Frankreich verzehrten Butter
aus bretonischer Produktion, begünstigt durch das fruchtbare
Weideland und die intensive Milchviehhaltung.
Crêpes und
Galettes :
Längst sind sie über die Grenzen der Bretagne hinaus bekannt:
die süßen Crêpes aus Weizenmehl und herzhaften Galettes
aus Buchweizenmehl, die sich zum Wahrzeichen der Bretagne entwickelt
haben. Crêpes sind innen weich und außen knusprig und
werden als Nachspeise mit brutzelnder Butter und Zucker oder mit Konfitüre
serviert. Auch die etwas dickeren Galettes stellen den Genießer
vor die Qual der Wahl: Je nach Saison wird diese Spezialität
mit frischen Füllungen aus Schinken, Champignons, Artischocken
oder Schalentieren gereicht. Mitte Juli findet in Gourin auf den Anhöhen
der Montagnes Noires ein Fest zu Ehren des ewigen bretonischen Küchenstars
statt. Auf Märkten und Volksfesten verzehren die wahren Anhänger
dieser Spezialität die "Galette saucisse", eine Galette
mit Bratwurst, und huldigen somit einer weiteren kulinarischen Spezialität
der Region, dem Schweinefleisch.
Far und Kouign-amann, Kuchen auf bretonisch
Nichts rundet ein Meeresfrüchte- oder Galette-Essen so perfekt
ab wie ein wohlschmeckendes Feingebäck. In der Bretagne stehen
Süßmäuler vor der schweren Wahl zwischen Galettes
aus Pont-Aven, Craquelins aus Plumaudan, hauchdünnen Crêpes
dentelles aus Quimper oder dem berühmten Kouing Amann aus Douarnenez.
Bei diesem lauwarm servierten Butterkuchen schmilzt auch der letzte
gute Wille dahin. Der mit Rosinen oder Backpflaumen gefüllte
Far breton, die wohl typischste bretonische Nachspeise, wird warm
oder kalt, in dünnen oder dicken Stücken gereicht. Jede
Familie hütet streng ihr eigenes Rezept.
Meeresfrüchteplatte :
Der Hummer, König der Krustentiere und Krustentier der Könige,
macht jeden Feinschmecker glücklich – solange ihm die
Jakobsmuschel nicht die Schau stiehlt. Diese köstliche Muschel
und Symbol der Pilger nach Santiago de Compostella hielt erst vor
einem Jahrhundert Einzug in die Gerichte der Küstenfischer.
Der Fang der insbesondere in der Bucht von Saint-Brieuc und dem
kleinen Fischereihafen Erquy zwischen Oktober und April gefischten
Jakobsmuschel unterliegt heuten strengen Regelungen. Mit ein wenig
Knoblauch und Petersilie angebraten und in ihrer Schale serviert,
ist die zarte Jakobsmuschel eine köstliche Vorspeise.
Es sei denn, man bevorzugt andere Meeresfrüchte, die bei Ebbe
zum Vorschein kommen, wie Strandschnecken, Venus- oder Miesmuscheln
und Austern. Die Austernzüchter in Cancale, Riec-sur-Belon
und im Golfe du Morbihan sind sich einig: Nach Öffnen der Schale
und Entfernen des Meerwassers entwickelt die Auster erst dann ihr
volles Aroma, wenn man sie eine Stunde stehen lässt, bevor
man sie "roh" schlürft.
Möchte man alle Köstlichkeiten des Meeres probieren, empfiehlt
sich eine Meeresfrüchteplatte, eine bretonische Spezialität
"par excellence". Auf einer Seetangplatte werden Schalentiere
wie Langusten und köstliche Seespinnen, sowie Muscheltiere,
darunter Venusmuscheln, Wellhornschnecken und Austern serviert.
Auch wenn die Zusammenstellung einer Meeresfrüchteplatte von
einer Saison und Region zur anderen variiert, sind alle Produkte
ausnahmslos frisch und manche auf jeder Platte zu Hause. Für
eben diese Frische und Qualität bürgen all jene Restaurants,
die der Qualitätscharta "Charte du plateau de fruits de
mer frais bretons" angehören.
Gläser werden in der Bretagne nicht mit Wein sondern mit Cidre,
Bier und Chouchen gefüllt.
Der von den bretonischen Landwirten aus verschiedenen und bisweilen
sehr alten Apfelsorten hergestellte Cidre
de Bretagne ist bekannt für seinen hohen Alkoholgehalt,
säuerlichen Geschmack und seine helle Farbe. Jeder Landstrich
besitzt seine eigene Cidresorte. Allen voran rangiert heute der aus
kontrolliertem Anbau stammende Cidre aus Cornouaille.
Der Chouchen (bretonisch für Honigwein
oder Met), ein Trunk für Götter, Druiden und frisch vermählte
Brautpaare, wird eher zum Apéritif oder Digestif gereicht.
Wenn man allerdings ein Faible für Bier
aus ländlicher Produktion hat, sollte man das Bier aus der Gegend
um Morlaix kosten, das weder gefiltert noch pasteurisiert und an seinem
starken Hopfengeschmack erkennbar ist. Die gesellige und urtümliche
bretonische Küche kann nicht besser zum Ausdruck kommen. Yec’hed
mat - guten Appetit!